Irisierende Wunderkammer

Coeur Tagesbar

Geheimnisvoll aufgelöste Raumkonturen.

Wie sich begrenzter Raum optimal nutzen lässt, geht der in München ansässige Architekt Martino Hutz konzeptionell wie visuell mit Wachstumsmodellen und Algorithmen in der „Coeur Tagesbar“ im Univiertel Münchens nach. Was im ersten Moment akademisch klingen mag, ist ein spannendes Spiel scheinbar unkontrollierter Formen und zufälliger Muster inmitten unserer hochgradig organisierten und strukturierten Realität, erklärt Hutz sein Design für das 2023 eröffnete Bistro.

GastronomieTheresien 38 GmbH
StandortTheresienstraße 38 80333 München
InnenarchitekturMHA - Martino Hutz Architecture
Gesamtfläche62 m²
PlanungsbüroMartino Hutz Architecture
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FotografieMartino Hutz Architecture
Parametrisch entwickelte Formen, chromatisierter Stahl, 3D-gedruckte Leuchten und eine Lichtinstallation verwischen Raumgrenzen und schaffen ein einzigartiges Erlebnis.

MARTINO HUTZ, MHA

Die insgesamt 60 Quadratmeter kleine Gesamtfläche der „Coeur Tagesbar“ liegt zurückversetzt im umtriebigen Viertel Maxvorstadt, zwischen Universitäten, Museen und kleinen Ladengeschäften. Neben der optimalen Nutzung des Raums war es daher nicht weniger wichtig, sich aus der Tiefe des Gebäudes heraus den vorbeilaufenden Passanten bemerkbar zu machen. Martino Hutz gelingt dies mit einer Reduktion der Farben und Elemente im vorderen Bereich des Bistros sowie der Fokussierung auf dessen Herzstück: Wie eine Kugel scheint ein Objekt aus weißem Stoff mit über zwei Metern Durchmesser leuchtend im Raum zu schweben, umgeben von changierenden, in den unterschiedlichsten Farben schimmernden Metallplatten an der Wand. Als „Wunderkammer“ bezeichnet er diesen rückseitig liegenden Bereich, der den frei stehenden Tresen beherbergt und zum lebendigen Zentrum wird – auch durch die Positionierung der Theke längs zum Raum, die den Gästen den Blick „dahinter“ erlaubt und somit die Grenze zwischen ihnen und dem Personal aufhebt. Die halbkugelförmige Lichtinstallation aus einer 28 Meter langen und CNC-geschnittenen Stoffbahn erscheint durch die Deckenspiegel als Kugel und vergrößert den Raum nach oben. Ergänzend schaffen verschiedene Winkel, Spiegelungen und Gegenreflexionen unendliche Variationen von Ansichten, Erfahrungen und Interaktionen der Flächen – was die kompakte Grundfläche auch in der Breite optisch erweitert. Zur Erweiterung des Raums trägt auch die Innenverkleidung aus chromatisierten Stahlpaneelen rund um den Tresen bei, deren Farbverläufe, zufällige Muster oder Streifen in lebhaften Variationen die Konturen des Raums auflösen. Mit ihren drei RGB-Lichtkreisläufen kreiert die Lichtinstallation verschiedene Qualitäten und Atmosphären, die den unterschiedlichen Nutzungen der Tagesbar gerecht werden. Tagsüber einladend und entspannt, nachts im Spiel des Lichts geheimnisvoll und introvertiert.

Impressionen