
Tagesbar Anima
Kulturelles Gravitationszentrum

„Die Beplanung eines so imposanten, denkmalgeschützten Gebäudes aus der Zeit der späten Industrialisierung mit dieser kathedralartigen Wirkung ist einmalig.”

SASCHA ARNOLD UND STEFFEN WERNER, ARNOLD / WERNER ARCHITEKTEN
In den Zwanzigerjahren geplant, aber erst in den Vierzigerjahren als Heizkraftwerk realisiert, wartete die Stahlbeton-Ziegel-Konstruktion in Aubing am Stadtrand von München viele Jahre, bis die Bahn den monumentalen Kubus in Betrieb nahm. Aber nur drei Jahrzehnte später wurde hier bereits keine Kohle mehr verbrannt und das Heizkraftwerk wieder stillgelegt. Es sollte erneut einige Zeit vergehen, bis Christian und Michael Amberger schließlich die verwahrloste Bauruine entdeckten und ihre Vision eines „kulturellen Gravitationszentrums“ Realität werden ließen. Bei der Verwandlung des Lost Place in einen multifunktionalen Kulturort für Events, Konzerte, Kulinarik und Kunst verantwortete das Architektenbüro Stenger2 den Umbau und Erweiterungsbau. Die innenarchitektonische Gestaltung der Empfangs-, Gastronomie- und Veranstaltungsfläche im Erdgeschoss sowie des Jazzclubs im Untergeschoss übernahmen Arnold / Werner Architekten. Den imposanten Raum der Kesselhalle in seiner einzigartigen kathedralartigen Wirkung zu stärken, war dabei das übergeordnete Ziel der Planer – mit Blick auf eine den Nutzern vertraute Maßstäblichkeit, um nicht nur einen spannenden, sondern auch einladenden Ort mit hoher Aufenthaltsqualität zu schaffen. Im Fine- Dining-Restaurant „Zeitlang“ an der Südfassade gelingt dies durch die eingezogene Galerieebene, unter der sich der abgegrenzte Gastraum befindet. Die „Tagesbar Anima“ dagegen liegt im rund 400 Quadratmeter großen Atrium unmittelbar im Eingangsbereich. Schwefelgelbe und aschgraue Farbtöne für die gepolsterten Sitzgelegenheiten erinnern subtil an die einstigen Verbrennungsprozesse hier. Quer zur Laufrichtung gestellt, spannen sie einen Raum zwischen Fensterfront und dem eingestellten Schwarzstahl- Kubus auf. Das Netz flirrender, vertikaler Lichter über den Rückenlehnen fängt den Blick der Gäste auf Augenhöhe ein, verortet sie in diesem definierten Raum – bevor er sich in der atemberaubenden Höhe verlieren darf.

